Energie und IT – Interview mit Dr. Danzeisen

Energie und IT – Interview mit Dr. Danzeisen

Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin hat das Handelsblatt unter dem Titel “Expertenbeitrag Energie und IT” ein Interview mit Dr. Danzeisen geführt:

Um die disruptiven Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen braucht die Energiewirtschaft starke Partner. Im Interview spricht Venios-CEO Jonas Danzeisen über die Chancen, die branchenübergreifende Kooperationen zwischen IT- und Energieunternehmen bereithalten.

Welche Chancen sehen Sie durch branchenübergreifende Kooperationen?
Neue Technologien können sich so quer zu den Branchen entwickeln, u.a. wird sich die Entwicklung von CAPEX und OPEX im TelkoBereich auch im Energiebereich wiederspiegeln. Im Finanzhandel ( Bonds) wurden vor 15 Jahren ähnlich gehandelt, wie die Handelsprozesse sich heute in der Energiewirtschaft darstellen. Kooperationen in Form von Technologietransfer können den Transformationsprozess beschleunigen.

Welche Bereiche (außer der IT) könnten in Zukunft für Energieunternehmen zur Kooperation interessant sein?
Die Planung und der Bau von Anlagen, die Abrechnung von Endkunden, das Anlagenmanagement, die VPPs (virtuelle Power Plants), das Trading sowie das Thema E-Mobility

Sie haben einen Fokus auf Smart Grid Lösungen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Bereich anzugehen?
Wir haben analysiert, welche Implikationen von intelligenten steuerbaren Verbrauchern und dezentralen Erzeugern auf die Infrastruktur zu erwarten sind, daraus wurde stetig das Venios-Konzept entwickelt. Dieses beleuchtet auch die Konsequenzen auf die Wertschöpfungskette der Infrastruktur sowie auch die Auswirkungen auf die Märkte im Spannungsfeld der Regulierung.

Glauben Sie, dass Energieunternehmen verstärkt die Kooperation mit IT-Unternehmen suchen sollten?
Im Sinne der Fokussierung auf ihre Kerngeschäfte sollten Energieversorgungsunternehmen ihre Kompetenzen ausbauen und IT-Lösungen einkaufen. Kooperationen mit IT-Unternehmen sollten aus unserem Verständnis heraus, an anderen Stellen positioniert werden, um die Bedürfnisse der Energiewirtschaft besser bedienen zu können. Beispielsweise kann eine Kooperation zwischen einem IT-Unternehmen und einem Hardware-Hersteller für Messstellen die Technologieentwicklung massiv beschleunigen und die Marktreife vorantreiben. Die Energiewirtschaft sollte an dieser Stelle ihr Know-How zur Regulierung und Prozesskenntnis aktiv einbringen. Die in der Zukunft erwünschten Kooperationen lassen jedoch den IT-Bereich nicht außen vor, sondern als integrativen Bestandteil des Kooperationsprozesses.

Wie schwer werden es Energieunternehmen in Zukunft haben, wenn Sie auf Kooperationen verzichten?
Die Auswahl eines Kooperationspartners ist für den Unternehmenserfolg nicht zwingend erforderlich. Wird auf die richtigen Partner gesetzt, um die Trends der Branche und der Zukunftstechnologien im Allgemeinen in das Unternehmen zu integrieren, kann auf unwirtschaftlich Kooperationen verzichtet werden. Die Akzeptanz und die Integration von neuen Technologien und der Digitalisierung im gesamten Energieunternehmen wird allerdings essentiell sein.

Welche Innovation wird in den kommenden Jahren Marktreif, die ohne Kooperation nicht entstanden wäre?
Bei Venios wurden viele Impulse von außen aufgenommen und bearbeitet. Teilweise in Form von Kunden- sowie Forschungsprojekten oder auch strategischen Allianzen. Wir nehmen diese Impulse gerne auf, um stets am Kunden und am Markt eine Weiterentwicklung voranzutreiben.

Sehen Sie eine wirklich disruptive Innovation sich abzeichnen?
„Die Blockchain“ könnte hier genannt werden, wir sehen allerdings zum heutigen Zeitpunkt nicht, dass diese Technologie für die Energiewirtschaft eine disruptive Kraft entfalten kann. Die Digitalisierung wird langfristig zu einer Energiewirtschaft 4.0 führen, die Entwicklung ist allerdings eher in langfristiger Perspektive zu sehen und zu bewerten.

Kann der Netzumbau hin zur regenerativen Energie ohne Kooperationen gelingen?
Ohne Kooperationen kann dies gelingen- ohne die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Shareholder wird es allerdings zum Himmelfahrtskommando. Erst wenn alle an einem Strang ziehen, kann es gelingen, einen volkswirtschaftlich sinnvollen Netzumbau umzusetzen. Als Shareholder sehen wir hier die VNBs, ÜNBs, Bürger, Anlagenbetreiber und Hardware- sowie Softwarehersteller und nicht zuletzt die Politik.

Das Originalinterview finden Sie unter http://veranstaltungen.handelsblatt.com/energie/energie-und-it/

Matthias Nowak

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